Gebäudetyp-e: Modellprojekt für zukunftsfähigen Wohnungsbau
LB-Ziegelsysteme–
Gebäudetyp-e: Haus fast ohne Heizung
Leipfinger-Bader Referenz Haus fast ohne Heizung gebaut aus Silvaor Mauerziegel.

Gebäudetyp-e: Modellprojekt für zukunftsfähigen Wohnungsbau

Das „Haus fast ohne Heizung“, ein Projekt der GWG Ingolstadt mit nbundm* Architekten, ist ein Modellprojekt für die technikreduzierten Wohnungsbau: weniger Gebäudetechnik, dafür eine leistungsfähige massive Gebäudehülle. Eine zentrale Rolle spielen holzfasergefüllte Silvacor-Mauerziegel von Leipfinger-Bader. Bei einer Wandstärke von 49 Zentimetern erreicht die in Ingolstadt ausgeführte Außenwand einen U-Wert von 0,16 W/(m²K). Ihre Dämm- und Speicherfähigkeit trägt dazu bei, dass das Gebäude weitgehend ohne klassische Heiztechnik auskommt. An besonders kalten Tagen übernimmt ein nur 0,5 Millimeter dünnes Heizpapier unter keramischen Estrichziegeln die zusätzliche Temperierung. Komplexe Gebäudetechnik wird dadurch überflüssig. So ist ein Mehrfamilienhaus entstanden, das hohen Wohnkomfort bietet und den Umfang der technischen Gebäudeausrüstung reduziert. Das als Gebäudetyp-e realisierte Modellprojekt beweist, dass massiver Wohnungsbau mit reduzierter Gebäudetechnik heute schon Realität ist.
 

Angesichts drastisch gestiegener Bau-, Grundstücks- und Energiekosten, hoher Zinsen und wachsender regulatorischer Hürden müssen neue Wege gefunden werden, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Ein entscheidender Hebel ist dabei das einfache Bauen mit reduzierter Haustechnik. Wo technische Standards sinnvoll vereinfacht und Bauprozesse verschlankt werden, lassen sich technische Komplexität und damit verbundene Investitions- und Betriebsaufwände reduzieren.

Modellprojekt für die Wohnungswirtschaft: Einfaches Bauen als Zukunftsweg

Ein wegweisendes Beispiel für einen solchen Ansatz ist das inzwischen überregional bekannte Projekt „Haus fast ohne Heizung“ der Gemeinnützigen Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH (GWG), geplant vom Architekturbüro nbundm*, an dem Leipfinger-Bader mit seinen Lösungen maßgeblich beteiligt ist. Das dreigeschossige Mehrfamilienhaus mit 15 öffentlich geförderten Wohnungen ist Teil einer Serie von 19 Pilotprojekten des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr zur Erprobung des Gebäudetyp-e – ein Konzept, das die Vielzahl an Normen und Standards kritisch hinterfragt, um mit abweichenden Lösungen kostengünstige, effiziente und zugleich hochwertige Gebäude zu ermöglichen. Auf Bundesebene wird das Konzept häufig auch als „Gebäudetyp E“ bezeichnet. Das Projekt wird durch Frau Professor Elisabeth Endres von der Technischen Universität Braunschweig wissenschaftlich begleitet und evaluiert, um zu untersuchen, welche Auswirkungen vereinfachte Standards auf Baukosten, Ressourceneinsatz und technische Komplexität haben, ohne dabei auf Sicherheit und Qualität zu verzichten. Das Projekt erhält Mittel aus der Wohnraumförderung des Freistaats Bayern in Höhe von rund 5,8 Millionen Euro. Davon entfallen 255.700 Euro als Zuschuss für die besonders nachhaltige Bauweise. Ziel ist es, aus den Pilotprojekten Erkenntnisse zu gewinnen sowie Herausforderungen und zukünftige Chancen auszuloten, um passende Ansätze in weitere Projekte zu übertragen. Auf Bundesebene ist das „Gebäudetyp-E-Gesetz“ im Gespräch, welches das Werk-/Bauvertragsrecht anpassen soll. Das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen hat als Orientierungshilfe zudem das Dokument „Leitlinie und Prozessempfehlung“ zum Gebäudetyp E herausgegeben.

0,16 U-Wert. 150 Jahre Referenz-Nutzungsdauer

Ein Schlüssel zum Erfolg dieses Konzepts ist der innovative Silvacor-Mauerziegel von Leipfinger-Bader. Beim verbauten Typ WS08 handelt es sich um einen Mauerziegel, der die Vorteile massiver Wandkonstruktionen mit den Vorzügen einer natürlichen Dämmung kombiniert. Gefüllt mit sortenreinen Nadelholzfasern, die aus unbehandeltem Nadelholz hergestellt werden, erreicht der Ziegel bei einer wie in Ingolstadt verbauten Wandstärke von 49 Zentimetern einen U-Wert von nur 0,16 W/(m2K). Diesen verbindet er mit der Fähigkeit, thermische Energie langfristig zu speichern – ohne zusätzliche Dämmschicht oder aufwendige Verbundsysteme. Silvacor-Ziegel bieten damit einen wirkungsvollen Hitzeschutz im Sommer und Wärmeschutz im Winter, was Energieaufwendungen zum Heizen und Kühlen durch den beim Wandaufbau von 49 cm erreichten U-Wert von 0,16 W/(m²K) reduziert. Der Silvacor WS08 erreicht bei einer Wandstärke von 49 Zentimetern zudem ein bauakustisches Schalldämm-Maß von bis zu RW,Bau,ref=48,0 Dezibel und sorgt so für effektiven Schallschutz im Geschosswohnungsbau. Das innovative Kleinkammernsystem gewährleistet darüber hinaus eine hohe Tragfähigkeit. Die Umwelt-Produktdeklaration für die Silvacor-Produktserie weist für die Mauerziegel eine Referenz-Nutzungsdauer von 150 Jahren bei fachgerechtem Einbau aus. Im Nutzungszustand sind die Ziegelinhaltsstoffe fest in der keramischen Struktur gebunden. Laut EPD emittieren die deklarierten Mauerziegel keine umwelt- und gesundheitsgefährdenden Stoffe.

Speichermasse statt mehr Gebäudetechnik

Dank dieses Ziegel-Holz-Hybrid Baustoffs kann das „Haus fast ohne Heizung“ auf klassische zentrale Haustechnik verzichten. Die Temperierung erfolgt größtenteils passiv: Die massive Gebäudehülle und die Speichermasse der Innenwände und Decken speichern sowohl Sonnenwärme als auch die im Alltag entstehende Abwärme der Bewohner – und geben diese kontinuierlich wieder an die Räume ab. . Die energetische Planung greift zentrale Grundgedanken des 2226-Prinzips auf: Ziel ist es, durch eine leistungsfähige Gebäudehülle, Speichermasse, natürliche Lüftung und intelligente Steuerung ganzjährig stabile Raumtemperaturen mit möglichst reduzierter technischer Gebäudeausrüstung zu erreichen. Die Fachplanung für Energie und Bauphysik übernahm die 2226 GmbH mit Sitz in Lustenau, Österreich.

Die Fenster sind mit einer sensorisch gesteuerten Temperatur- und CO2-Regelung ausgestattet und sorgen für eine natürliche Lüftung mit minimalen Energieverlusten. Die Warmwasserbereitung erfolgt dezentral über Durchlauferhitzer. Der benötigte Strom wird zu einem Großteil über die Photovoltaikanlage auf dem extensiv begrünten Dach erzeugt. Überschüssige Energie kann in Batteriespeichern zwischengespeichert werden. Auf eine Unterkellerung und eine Tiefgarage wurde bewusst verzichtet.

Alternative zum Nassestrich: keramischer Estrichziegel

Auch im Inneren setzt das Projekt den technikreduzierten Ansatz mit Lösungen von Leipfinger-Bader fort: Der Estrichziegel in der Farbe „Ingolstädter Rot“ erfüllt hohe technische Anforderungen und setzt zugleich gestalterische Akzente. Die trocken verlegte Alternative zum Nassestrich besteht aus hochwertigem, gebranntem Ton. Dank einer Biegezugfestigkeit von mindestens 30 N/mm² ist der keramische Estrichziegel besonders belastbar, während die geringe Aufbauhöhe von nur 18 Millimetern flexible Einsatzmöglichkeiten auch bei niedrigen Raumhöhen erlaubt. Die Oberfläche überzeugt durch Abriebfestigkeit und Pflegeleichtigkeit. Estrichziegel sind zudem unempfindlich gegenüber Feuchtigkeit, langlebig und können sowohl als Sichtbelag – wie in Ingolstadt – als auch als Basis für verschiedene Bodenbeläge genutzt werden. Die Referenz-Nutzungsdauer beträgt laut Umwelt-Produktdeklaration 50 Jahre. Das Produkt erfüllt die Anforderungen an emissionsarme Bauprodukte und enthält laut EPD keine Stoffe der REACH-Kandidatenliste. Keramischer Ziegelbruch kann zudem wieder als Rohstoff eingesetzt und beispielsweise in der Produktion oder in weiteren stofflichen Anwendungen weiterverwertet werden. Die einfache und trockene Verlegung verkürzt die Bauzeit und sorgt für eine saubere Baustelle.

Estrichziegel und Heizpapier als elektrische Flächenheizung

Durch seine Wärmeleitfähigkeit von 1,30 W/(mK) ergänzt der Estrichziegel das dünnschichtige Heizpapier von Leipfinger-Bader optimal. In Kombination entsteht eine elektrische Flächenheizung, bei der die Wärme unmittelbar unter dem keramischen Estrichziegel erzeugt wird. Das Heizpapier von Leipfinger-Bader ist dabei eine nur 0,5 Millimeter dünne, elektrisch leitfähige Wärmequelle, die direkt unter dem Estrichziegel verlegt wird. Das mit 24 Volt betriebene System ist mit Flächenleistungen von 75 beziehungsweise 120 W/m² verfügbar. Das Gesamtsystem ermöglicht eine direkte, flächige Wärmeabgabe über den Estrichziegel und lässt sich mit regenerativ erzeugtem Strom, beispielsweise aus der hauseigenen Photovoltaikanlage, betreiben. Das Heizpapier kommt in Ingolstadt insbesondere an kälteren Tagen zum Einsatz und bietet so eine flexibel zuschaltbare Heizunterstützung. Durch die unmittelbare Lage unter dem nur 18 Millimeter starken Estrichziegel kann das System schnell auf zusätzlichen Wärmebedarf reagieren. Auch wirtschaftlich ist der Ansatz interessant: Eine interne Vergleichsberechnung von Leipfinger-Bader weist gegenüber der zugrunde gelegten Wärmepumpenlösung ein Einsparpotenzial von bis zu 30 Prozent bei den Heizkosten aus. Bzgl. der Investition ergab die Vergleichsberechnung für ein KfW-40-Haus mit 140 bis 170 Quadratmetern für die untersuchte Systemvariante mit Estrichziegel und Heizpapier rund 22.500 Euro geringere Anschaffungskosten gegenüber der verglichenen Lösung mit Luftwärmepumpe, wassergeführter Fußbodenheizung und Zementestrich.

Moderner Wohnkomfort und flexible Nutzungskonzepte

Neben diesen Vorteilen bieten die Ingolstädter Wohnungen modernen Wohnkomfort auf hohem Niveau: Barrierefreie Zugänge, ein Aufzug, bodengleiche Duschen, private Gartenanteile und Gemeinschaftsbereiche schaffen attraktive Wohn- und Aufenthaltsbereiche für unterschiedliche Bewohnergruppen. Die flexible Grundrissgestaltung ermöglicht unterschiedliche Wohnkonzepte, etwa für Familien oder Mehrgenerationenhaushalte.

Ein Modell mit Perspektive

Das „Haus fast ohne Heizung“ zeigt, wie die Wohnungswirtschaft mit architektonischer Intelligenz, hochwertigen Baustoffen und der Reduktion auf das Wesentliche auf aktuelle Herausforderungen im Wohnungsbau reagieren kann. Die Systemlösungen von Leipfinger-Bader bilden dabei einen wesentlichen Bestandteil des Gebäudekonzepts. Eine hochwärmedämmende Gebäudehülle, Speichermasse, passive Temperierung sowie eine gezielt zuschaltbare elektrische Flächenheizung reduzieren den Bedarf an aufwendiger Gebäudetechnik. Die eingesetzten Lösungen stammen dabei aus regionaler Produktion und schaffen die Grundlage für das energetische Konzept des Hauses. Das Projekt zeigt einen Ansatz für leistbaren Wohnraum, bei dem Baukosten, Energiebedarf, Materialeinsatz und Wohnqualität bereits in der Planung gemeinsam betrachtet werden. Weniger Gebäudetechnik, langlebige Baustoffe und aufeinander abgestimmte Systemlösungen bilden dabei ein Konzept, das auch auf weitere Wohnungsbauprojekte übertragbar ist.

Bautafel

  • Bauvorhaben: Haus fast ohne Heizung – Neubau mit 15 öffentlich geförderten Mietwohnungen, Ingolstadt
  • Bauherr: Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH (GWG), Ingolstadt
  • Architekten: nbundm* neuburger, bohnert und müller Architekten BDA und Stadtplaner, Partnerschaft mbB, München
  • Außenanlagenplanung: Paul Melia, Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Ingolstadt GmbH (GWG), Ingolstadt Fachplanung Energie und Bauphysik: 2226 GmbH, Lustenau, Österreich
  • Ausführung: Bacher Hoch- und Tiefbau GmbH, Ingolstadt
  • Förderung: Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr, München
    Wissenschaftliche
  • Begleitung: Frau Professor Elisabeth Endres, Technische Universität Braunschweig, Institut für Bauklimatik und Energie der Architektur, Braunschweig
  • Mauerziegel/Estrichziegel/Heizpapier: Leipfinger-Bader, Landshut
  • Bauzeit: 2024 bis Ende 2025

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Pressekontakt

Für Presse: Pressekontakt Caterina Bader, CMO bei Leipfinger-Bader.

Caterina Bader
CMO

Leipfinger-Bader GmbH
Ziegeleistraße 15
84172 Vatersdorf

Tel.: 08762 / 733 – 153
Fax: 08762 / 733 – 110

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