Leipfinger-Bader entwickelt erste eigene Lehmplatte
Leipfinger-Bader entwickelt erste eigene Lehmplatte
Lehmplatte Premium: Skalierbares Industrieprodukt für den seriellen Innenausbau
Leipfinger-Bader erweitert das Lehmbau-Sortiment um die Lehmplatte Premium. Die nur 12,5 Millimeter starke, selbst entwickelte und geprüfte Platte erreicht durch hohe Verdichtung und Holzfaserarmierung eine deutlich erhöhte Flächenmasse und ermöglicht in geprüften Holzständerwänden ein Schalldämmmaß von bis zu 56 Dezibel. Die thermische Speicherkapazität und die ausgeprägte Feuchteaufnahmefähigkeit unterstützen ein ausgeglichenes Raumklima. Da Format, Unterkonstruktion und Befestigung an etablierten Gipsfaseraufbauten orientiert sind und die Platte nach DIN 18948:2024-03 klassifiziert ist, lässt sich Lehm damit ohne Sonderlösungen in gängige Ausbau- und Planungsprozesse integrieren.
Gipskarton- und Gipsfaserplatten gelten bislang meist als gesetzt im Trockenbau. Sie sind normiert, systemkompatibel und robust. Lehm wiederum steht für Ökologie und Wohngesundheit, ist in der Praxis aber oft mit handwerklicher Manufaktur und begrenzter Skalierbarkeit verbunden. Die neue, von Leipfinger-Bader entwickelte und unabhängig geprüfte Lehmplatte Premium nach DIN 18948:2024-03 überführt den traditionellen Baustoff jetzt in ein industrielles Format. Die Platte schließt die Lücke zwischen klassischem Lehm- und konventionellem Trockenbau und macht Lehm für den alltäglichen Innenausbau von Wohn- und Arbeitsgebäuden effizient und wirtschaftlich sinnvoll einsetzbar.
Hohe Masse mit vielen Vorteilen
Die Lehmplatte Premium misst 1.250 mal 625 Millimeter bei einer Dicke von 12,5 Millimetern und einem Plattengewicht von rund 16 Kilogramm. Unter sehr hohem Pressdruck verdichteter Lehm, kombiniert mit einer integrierten Holzfasermatte, ermöglicht eine Rohdichte von 1.600 Kilogramm pro Kubikmeter, womit die Lehmplatte Premium die leichteste der schweren Lehmplatten ist. Dies führt zu einer entsprechend hohen Masse pro Millimeter. Bauphysikalisch bringt die Platte Eigenschaften in den Ausbau, die bislang eher massiven Konstruktionen vorbehalten waren. In einer ausgedämmten Holzständerwand mit beidseitig einlagiger Beplankung und verputzter Oberfläche erreicht der Aufbau ein bewertetes Schalldämmmaß von 56 Dezibel. Die Kombination aus hoher Rohdichte und einer Wärmeleitfähigkeit von 0,231 W/(mk) sorgt zudem für eine ausgeprägte thermische Trägheit, so dass sich der sommerliche Überhitzungsschutz spürbar verbessert. Die Lehmplatte Premium ist der Baustoffklasse B1 „schwer entflammbar“ zugeordnet und lässt sich mit einer Klassifizierung von EI90 damit sicher in übliche Nutzungskonzepte in Wohn- und Arbeitsräumen integrieren.
Stabiles Raumklima durch Feuchtepuffer
Ein weiteres zentrales Argument gegenüber klassischen Gipsplatten ist die aktive Feuchteregulierung. Die Lehmplatte Premium ist der Wasserdampf-Sorptionsklasse WS III zugeordnet und kann über den Tagesverlauf signifikante Mengen Wasserdampf aufnehmen und zeitlich verzögert wieder abgeben. Dadurch entstehen Feuchtepuffer, die Nutzungsspitzen beim Duschen, Kochen oder in hoch belegten Räumen abfedern und ein weitgehend stabiles Raumklima im behaglichen Feuchtebereich ermöglichen. Gleichzeitig gilt der Baustoff als schimmelimmun und kann Luftschadstoffe und Gerüche an der Oberfläche binden. Für Architektur und technische Gebäudeplanung eröffnet dies die Möglichkeit, Komfort, Wohngesundheit und Energieeffizienz nicht nur über Technik, sondern auch über die Materialwahl der Innenoberflächen zu steuern.
Normierung trifft auf Gestaltung
Architekten und Fachplaner profitieren davon, dass die Lehmplatte Premium kein Sonderweg ist, sondern einem klaren Normenrahmen folgt. Die Einstufung nach DIN 18948:2024-03 sowie umfangreiche Prüfzeugnisse zu Maßhaltigkeit, Biegezugfestigkeit, Luftschalldämmung und Wärmeleitfähigkeit bilden die Grundlage für regelgerechte Nachweise in tragenden sowie nichttragenden inneren Trennwänden. Gleichzeitig bleibt der gestalterische Spielraum groß: Die Platte ist als Träger für Lehmputze und Lehmfarben von Leipfinger-Bader konzipiert und erlaubt Oberflächenbilder von fein und zurückhaltend bis haptisch und materialbetont. „Noch liegt ihr Marktanteil im Innenausbau bei unter einem Prozent. Doch mit industriell normierten Systemen wie unserer neuen Lehmplatte wird Lehm den Schritt von einem Spezialsegment in ein relevantes Marktsegment des seriellen Ausbaus machen“, erklärt Thomas Bader, Geschäftsführer von Leipfinger-Bader.
Standardisierter Ausbauprozess
Für Trockenbauer, Zimmerer und Ausbauunternehmen wiederum ist entscheidend, dass der Einstieg ins Material ohne Bruch in der Baupraxis möglich ist. Zuschnitt, Verschraubung und Klammerung erfolgen mit vertrauten Werkzeugen und Befestigungsmitteln aus dem Trockenbau. Die Verarbeitung bleibt damit nah an der Gipsfaserplatte. Die Oberfläche ist dabei als Industrieprodukt ausgebildet: hart, maßhaltig und mit eingeprägten Rillen, die die Haftung von Lehmputzen optimieren. Damit positioniert sich die Lehmplatte Premium genau dort, wo täglich große Flächen entstehen – im seriellen Innenausbau – und überführt den Lehmbau aus der Nische des Spezialhandwerks in standardisierte Ausbauprozesse.
Verbindung zwischen zwei Welten
Die Platte ist eingebettet in ein vollständiges Lehm-Trockenbausystem von Leipfinger-Bader. Abgestimmte Lehmputze und Lehmfarben, Lehm-Klima- und Heizplatten, Holz-Lehm Massivdecken sowie Bodensysteme wie der keramische Estrichziegel ermöglichen durchgängige, mineralisch-ökologische Innenräume vom Boden über die Wand bis zur Decke. Produziert wird die Lehmplatte Premium im Werk Pfeffenhausen auf hochverdichtenden Pressanlagen. „Lehm ist einer der ältesten Baustoffe der Menschheit. Mit der Lehmplatte Premium bringen wir ihn in die industrielle Serienfertigung und damit in den Alltag der Baupraxis“, erklärt Thomas Bader, Geschäftsführer von Leipfinger-Bader. „Für Architektur und Ausführung entsteht damit eine neue Option zwischen klassischem Lehm- und klassischem Trockenbau – mit der Perspektive, dass Lehm künftig dort eingesetzt werden kann, wo heute ganz selbstverständlich Gipskarton und Gipsfaser verbaut werden.“
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Caterina Bader
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