Wie funktioniert der Schallschutz beim Massivbau mit Ziegeln?

Sabrina Gerstmayr ·
Weinglas auf Holzregal an terrakottafarbener Backsteinwand im warmen Nachmittagslicht.

Schallschutz im Massivbau mit Ziegeln funktioniert in erster Linie über das physikalische Prinzip der Masseträgheit: Je schwerer eine Wand, desto schwerer lässt sie sich durch Schallwellen in Schwingung versetzen und desto weniger Schall wird auf die andere Seite übertragen. Ziegelmauerwerk verbindet diese natürliche Schalldämmung mit weiteren bauphysikalischen Vorteilen wie Hohlkammergeometrie und Materialdichte, die gezielt auf Schallschutzanforderungen abgestimmt werden können. Die folgenden Fragen beleuchten die wichtigsten Aspekte des Schallschutzes im Ziegelmassivbau.

Wie entsteht Schallschutz durch die Masse eines Mauerwerks?

Schallschutz durch Masse entsteht, weil schwere Bauteile mehr Energie benötigen, um in Schwingung versetzt zu werden. Schallwellen treffen auf eine Wand und versuchen, diese zum Mitschwingen zu bringen. Je größer die Masse pro Quadratmeter, desto mehr Energie wird dabei absorbiert und desto weniger Schall gelangt auf die andere Seite der Wand.

Dieses Grundprinzip ist in der Bauphysik als Massegesetz bekannt. Es besagt vereinfacht: Eine Verdopplung der flächenbezogenen Masse einer Wand verbessert die Schalldämmung um etwa sechs Dezibel. Massivmauerwerk aus Ziegeln profitiert von diesem Gesetz erheblich, da es deutlich schwerer ist als viele Leichtbaukonstruktionen.

Dabei spielen nicht nur das Gesamtgewicht, sondern auch die innere Struktur des Ziegels eine Rolle. Hohlkammern im Ziegelquerschnitt können Schallwellen brechen und reflektieren, bevor sie die gegenüberliegende Wandseite erreichen. Gleichzeitig sorgt die homogene, fugenreiche Struktur des Mauerwerksverbands dafür, dass Schallbrücken minimiert werden, sofern sorgfältig verarbeitet wird.

Welche Schallschutzwerte müssen Ziegel im Wohnungsbau erfüllen?

Im deutschen Wohnungsbau definiert die DIN 4109 die Mindestanforderungen an den Schallschutz. Für Wände zwischen Wohnungen gilt ein bewertetes Schalldämm-Maß von mindestens 53 Dezibel (R’w). Für erhöhten Schallschutz, etwa nach den Empfehlungen der VDI 4100, werden Werte von 55 bis 60 Dezibel angestrebt.

Konkret bedeutet das für den Planer: Eine Trennwand zwischen zwei Wohneinheiten muss so ausgelegt sein, dass Geräusche des Nachbarn nur noch als leises Hintergrundrauschen wahrnehmbar sind. Massivziegelwände mit ausreichender Wandstärke und flächenbezogener Masse erreichen diese Werte in der Regel zuverlässig.

Neben der Trennwand zwischen Wohnungen gelten weitere Anforderungen für:

  • Treppenhauswände (mindestens 52 Dezibel)
  • Wände zu Aufzugsschächten (mindestens 55 Dezibel)
  • Außenwände bei erhöhtem Verkehrslärm (je nach Lärmpegel unterschiedlich)
  • Decken zwischen Wohnungen (Luftschall und Trittschall separat bewertet)

Ob ein Gebäude die Anforderungen erfüllt, lässt sich bereits in der Planungsphase durch Berechnungen nach DIN 4109-2 nachweisen. Im Zweifelsfall empfiehlt sich eine bauakustische Fachberatung, insbesondere wenn erhöhter Schallschutz angestrebt wird oder besondere Nutzungen vorliegen.

Was ist der Unterschied zwischen Luft- und Körperschall bei Ziegelwänden?

Luftschall entsteht durch Schallwellen, die sich in der Luft ausbreiten, zum Beispiel Stimmen, Musik oder Straßenlärm. Körperschall hingegen wird direkt in das Bauteil eingeleitet, etwa durch Schritte, Maschinen oder Rohrleitungen. Ziegelwände verhalten sich gegenüber beiden Schallarten unterschiedlich und müssen deshalb in der Konstruktion differenziert betrachtet werden.

Luftschall und Ziegelmauerwerk

Gegenüber Luftschall wirkt die Masse des Ziegelmauerwerks besonders effektiv. Die Schallwellen müssen das schwere Bauteil in Schwingung versetzen, was bei ausreichender Wandmasse nur in sehr geringem Maß gelingt. Massivziegelwände mit einer flächenbezogenen Masse von mehr als 300 Kilogramm pro Quadratmeter erzielen sehr gute Luftschalldämmwerte.

Körperschall und Flankenübertragung

Körperschall stellt eine größere Herausforderung dar, weil er sich nicht nur durch die direkt betroffene Wand, sondern auch über angrenzende Bauteile, sogenannte Flanken, ausbreiten kann. Bei Ziegelmauerwerk ist daher auf eine sorgfältige Ausführung der Anschlüsse zwischen Wänden, Decken und Böden zu achten. Elastische Lagerungen von Rohrleitungen und schwimmende Estriche helfen, Körperschall wirkungsvoll zu reduzieren. Ein Estrichziegel als Teil des Bodensystems kann dabei eine sinnvolle Ergänzung sein.

Welche Ziegelarten bieten den besten Schallschutz?

Die besten Schallschutzwerte erzielen Ziegel mit hoher flächenbezogener Masse und einer Geometrie, die die Schallübertragung reduziert. Schwere Vollziegel und Hochlochziegel mit geringem Lochanteil schneiden in Schallschutzmessungen besonders gut ab. Spezielle Schallschutzziegel sind auf genau diese Anforderungen hin optimiert.

Im Überblick lassen sich folgende Ziegeltypen nach ihrem Schallschutzverhalten unterscheiden:

  • Blockziegel und Hochlochziegel mit hoher Rohdichte: Sehr gute Luftschalldämmung durch große Masse, häufig für Trennwände im Geschosswohnungsbau eingesetzt
  • Planziegel: Präzise Maßhaltigkeit ermöglicht dünne Lagerfugen, was Schallbrücken reduziert und gleichmäßige Dämmwerte sichert
  • Lehmziegel: Hohe Rohdichte kombiniert mit natürlicher Feuchteregulierung, besonders geeignet für Innenwände mit Schallschutzanforderungen
  • Coriso-Ziegel: Für den Geschosswohnungsbau entwickelt, mit aufeinander abgestimmten Schall- und Wärmeschutzeigenschaften

Für Außenwände, bei denen Wärmedämmung und Schallschutz gleichermaßen gefragt sind, kommen gefüllte Ziegel wie der Silvacor in Betracht, der durch seine Holzfaserfüllung sehr gute Gesamteigenschaften vereint. Die Lehmbausysteme bieten dabei eine besonders nachhaltige Option mit natürlicher Schalldämpfung.

Wie beeinflusst die Wandkonstruktion den Schallschutz im Massivbau?

Die Wandkonstruktion beeinflusst den Schallschutz erheblich, weil nicht nur der Ziegelstein selbst, sondern das gesamte System aus Mauerwerk, Mörtel, Putz und Anschlüssen den tatsächlich gemessenen Dämmwert bestimmt. Eine gut geplante Konstruktion kann den Schallschutz gegenüber dem theoretischen Wert des Ziegels deutlich verbessern oder verschlechtern.

Folgende Konstruktionsmerkmale spielen eine entscheidende Rolle:

  • Putz: Beidseitiger Verputz erhöht die flächenbezogene Masse und schließt Fugen, durch die Schall ungefiltert durchdringen könnte
  • Mörtelfugen: Vollständig verfüllte Lagerfugen verhindern Schallbrücken; Dünnbettmörtel bei Planziegeln sorgt für gleichmäßige Verbindungen
  • Anschlüsse an Decken und Böden: Elastische Randstreifen und entkoppelte Verbindungen reduzieren die Körperschallübertragung
  • Zweischaligkeit: Zweischalige Wandkonstruktionen mit Luftschicht oder Dämmung erzielen besonders hohe Schalldämmwerte

Auch die Deckenkonstruktion hat direkten Einfluss auf den Schallschutz im Gebäude. Deckensysteme wie die Holz-Lehm-Massivdecke verbinden Tragfähigkeit mit guten Schallschutzeigenschaften und lassen sich optimal auf das Ziegelmauerwerk abstimmen. Eine Holz-Lehm-Massivdecke ist dabei eine besonders nachhaltige Wahl, die Trittschall und Luftschall gleichermaßen reduziert.

Wie schneidet Ziegelmauerwerk im Schallschutz gegenüber anderen Baustoffen ab?

Ziegelmauerwerk gehört zu den schalltechnisch leistungsfähigsten Wandbaustoffen im Wohnungsbau. Im Vergleich zu Leichtbaukonstruktionen wie Holzrahmenbau oder Trockenbau bietet massives Ziegelmauerwerk deutlich höhere Schalldämmwerte, weil die Masse das entscheidende physikalische Kriterium für Luftschalldämmung ist.

Ein direkter Vergleich zeigt die Stärken und Grenzen der einzelnen Bauweisen:

  • Ziegelmauerwerk vs. Holzrahmenbau: Massivziegel erzielen bei gleicher Wandstärke in der Regel höhere R’w-Werte. Holzrahmenkonstruktionen benötigen zusätzliche Lagen und Entkopplungsmaßnahmen, um vergleichbare Werte zu erreichen.
  • Ziegelmauerwerk vs. Beton: Stahlbeton hat eine sehr hohe Rohdichte und erzielt exzellente Schalldämmwerte, ist aber in der Regel weniger flexibel in der Gestaltung und ökologisch aufwendiger in der Herstellung.
  • Ziegelmauerwerk vs. Kalksandstein: Kalksandstein hat eine ähnlich hohe Rohdichte und erzielt vergleichbare Schallschutzwerte. Die Wahl zwischen beiden Baustoffen hängt oft von weiteren Anforderungen wie Wärmedämmung und Nachhaltigkeit ab.
  • Ziegelmauerwerk vs. Porenbeton: Porenbeton ist deutlich leichter und bietet daher von Haus aus geringere Schalldämmwerte, was durch Mehrschaligkeit oder Vorsatzschalen kompensiert werden muss.

Der entscheidende Vorteil des Massivbaus mit Ziegeln liegt darin, dass gute Schalldämmwerte ohne aufwendige Zusatzkonstruktionen erreicht werden. Das macht die Planung einfacher, reduziert Fehlerquellen auf der Baustelle und sichert langfristig stabile Schalleigenschaften über den gesamten Lebenszyklus des Gebäudes.

Wie wir beim Schallschutz im Massivbau unterstützen

Wir bei Leipfinger-Bader haben unser Produktportfolio gezielt auf die Anforderungen des modernen Massivbaus abgestimmt, einschließlich der bauakustischen Anforderungen im Wohnungsbau. Unsere aufeinander abgestimmten Ziegelsysteme ermöglichen es, Schallschutz, Wärmedämmung und Nachhaltigkeit in einem ganzheitlichen Konzept zu vereinen.

Konkret unterstützen wir Sie mit:

  • schallschutzoptimierten Ziegeln: Von Coriso für den Geschosswohnungsbau über Planziegel bis hin zu Lehmziegeln für Innenwände bieten wir Produkte, die DIN-4109-Anforderungen zuverlässig erfüllen
  • aufeinander abgestimmten Systemlösungen: Mauerwerk, Decke und Boden werden als Einheit geplant, um Schallbrücken zu vermeiden und Flankenübertragung zu minimieren
  • individueller Bauberatung: Unser Innen- und Außendienst sowie unsere Bauberatungsabteilung unterstützen Architekten, Planer und Bauherren von der ersten Planung bis zur Ausführung
  • QNG-konformen Lösungen: Unsere Produkte erfüllen nicht nur Schallschutzanforderungen, sondern helfen auch dabei, staatliche Fördervoraussetzungen wie das QNG-Qualitätssiegel zu erfüllen
  • nachhaltigem Mehrwert: Unsere Ziegel bestehen aus natürlichen, regionalen Rohstoffen und sind vollständig kreislauffähig, ohne Abstriche beim bauakustischen Schutz

Möchten Sie wissen, welche Ziegellösung am besten zu Ihrem Bauprojekt passt? Kontaktieren Sie uns und lassen Sie sich von unseren Experten individuell beraten.