Lehmfarben erleben aktuell eine Renaissance im nachhaltigen Bauen und in der ökologischen Innenraumgestaltung. Viele Bauherren und Renovierende fragen sich jedoch, ob diese natürlichen Farben die gleiche Deckkraft wie herkömmliche Wandfarben bieten. Die Antwort ist differenziert zu betrachten, da Lehmfarben andere Eigenschaften und Anwendungsweisen haben als synthetische Dispersionsfarben.
Während konventionelle Wandfarben oft mit einem Anstrich vollständig decken, benötigen Lehmfarben meist eine angepasste Auftragstechnik, um optimale Ergebnisse zu erzielen. Dennoch bieten sie einzigartige Vorteile, die weit über die reine Deckkraft hinausgehen und sie zu einer attraktiven Alternative für gesundes und nachhaltiges Wohnen machen.
Was sind Lehmfarben und wie unterscheiden sie sich von normalen Wandfarben?
Lehmfarben sind natürliche Anstriche auf Basis von Ton und Lehm, die ohne synthetische Bindemittel auskommen und sich grundlegend von herkömmlichen Dispersionsfarben unterscheiden. Sie bestehen hauptsächlich aus fein gemahlenen Tonen, natürlichen Pigmenten und Zellulose als Bindemittel.
Der wesentliche Unterschied liegt in der Zusammensetzung und Wirkungsweise. Normale Wandfarben enthalten synthetische Bindemittel wie Acryl oder Vinyl, die eine geschlossene Oberfläche bilden. Lehmfarben hingegen trocknen durch Verdunstung des Wassers und bilden eine offenporige, atmungsaktive Schicht. Diese natürliche Struktur ermöglicht es der Wand, Feuchtigkeit aufzunehmen und wieder abzugeben, was zu einem gesunden Raumklima beiträgt.
Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Farbgebung: Während synthetische Farben durch chemische Pigmente nahezu jeden Farbton erreichen können, beschränken sich Lehmfarben auf die natürliche Farbpalette von Erden und Tonen. Diese reicht von warmen Beige- und Ockertönen bis hin zu kräftigen Rot- und Braunnuancen.
Wie ist die Deckkraft von Lehmfarben im direkten Vergleich zu normalen Wandfarben?
Lehmfarben haben grundsätzlich eine geringere Deckkraft als herkömmliche Dispersionsfarben und benötigen meist zwei bis drei Anstriche für eine vollständige, gleichmäßige Abdeckung. Dies liegt an ihrer natürlichen Zusammensetzung ohne hochdeckende synthetische Pigmente.
Bei der ersten Anwendung wirken Lehmfarben oft transparent oder fleckig, da sie unterschiedlich in den Untergrund einziehen. Das ist normal und kein Qualitätsmangel. Der zweite Anstrich gleicht diese Unregelmäßigkeiten aus und sorgt für eine homogene Farbverteilung. Bei dunklen Untergründen oder starken Farbwechseln kann ein dritter Anstrich erforderlich sein.
Normale Wandfarben erreichen hingegen oft schon beim ersten Anstrich eine vollständige Deckung, da sie mit synthetischen Bindemitteln und hochpigmentierten Farbstoffen formuliert sind. Sie bilden eine geschlossene Schicht auf der Oberfläche, während Lehmfarben teilweise in den Untergrund eindringen und mit ihm eine Verbindung eingehen.
Welche Vorteile bieten Lehmfarben trotz unterschiedlicher Deckkraft?
Lehmfarben überzeugen durch herausragende raumklimatische Eigenschaften und ökologische Vorteile, die ihre geringere Deckkraft mehr als kompensieren. Sie regulieren die Luftfeuchtigkeit auf natürliche Weise und schaffen ein angenehmes Wohnklima.
Die wichtigsten Vorteile von Lehmfarben umfassen:
- Natürliche Feuchtigkeitsregulierung durch die offenporige Struktur
- Schadstofffreie Zusammensetzung ohne Lösungsmittel oder Konservierungsstoffe
- Antistatische Wirkung, die Staubanlagerung reduziert
- Angenehme, matte Optik mit natürlicher Tiefenwirkung
- Vollständige Recyclingfähigkeit und biologische Abbaubarkeit
Darüber hinaus sind Lehmfarben besonders für Allergiker geeignet, da sie keine Ausdünstungen verursachen und sogar Schadstoffe aus der Raumluft binden können. Die natürliche Oberflächenstruktur erzeugt zudem eine warme, wohnliche Atmosphäre, die mit synthetischen Farben nur schwer zu erreichen ist. Diese funktionalen Eigenschaften machen den etwas höheren Arbeitsaufwand beim Auftragen zu einer lohnenden Investition in die Wohnqualität.
Wie trägt man Lehmfarben richtig auf, um eine optimale Deckkraft zu erzielen?
Für optimale Deckkraft sollten Sie Lehmfarben in dünnen, gleichmäßigen Schichten mit einem Pinsel oder einer kurzflorigen Rolle auftragen und dabei nass in nass arbeiten, um Ansätze zu vermeiden. Eine gründliche Untergrundvorbereitung ist entscheidend für das Endergebnis.
Die richtige Auftragstechnik beginnt mit der Vorbereitung des Untergrunds. Dieser sollte sauber, trocken und saugfähig sein. Stark saugende Untergründe wie Gipsputz müssen vorher grundiert werden, um ein gleichmäßiges Eindringen der Lehmfarbe zu gewährleisten. Verwenden Sie dafür eine verdünnte Lehmfarbe oder spezielle Lehmgrundierungen.
Beim Auftragen arbeiten Sie am besten in Bahnen von oben nach unten und halten dabei immer eine nasse Kante. Tragen Sie die erste Schicht dünn auf und lassen Sie diese vollständig trocknen, bevor Sie den zweiten Anstrich beginnen. Zwischen den Anstrichen sollten mindestens vier bis sechs Stunden liegen. Für besonders gleichmäßige Ergebnisse können Sie die zweite Schicht kreuzweise zur ersten auftragen.
Wichtig ist auch die richtige Konsistenz: Lehmfarben sollten nicht zu dick angerührt werden, da dies zu ungleichmäßiger Verteilung und Rissbildung führen kann. Rühren Sie die Farbe vor jedem Gebrauch gut um, da sich natürliche Bestandteile absetzen können.
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