Was passiert wenn Lehmfarben zu dick aufgetragen werden?

Sabrina Gerstmayr ·
Abblätternde erdige Lehmfarbe mit aufgerollten Rändern auf weißer Innenwand, Farbstücke auf Holzboden darunter

Lehmfarben erfreuen sich im nachhaltigen Bauen zunehmender Beliebtheit, da sie nicht nur umweltfreundlich sind, sondern auch ein gesundes Raumklima schaffen. Doch wie bei allen Baumaterialien kommt es auch bei Lehmfarben auf die richtige Anwendung an. Ein zu dicker Auftrag kann verschiedene Probleme verursachen und die gewünschten Eigenschaften der Lehmfarbe beeinträchtigen.

Viele Bauherren und Handwerker stellen sich die Frage, welche Auswirkungen eine zu dicke Schicht haben kann und wie sich Anwendungsfehler vermeiden oder korrigieren lassen. Die folgenden Antworten geben Ihnen einen umfassenden Überblick über die häufigsten Probleme und deren Lösungen.

Was passiert, wenn Lehmfarben zu dick aufgetragen werden?

Bei zu dickem Auftrag von Lehmfarben entstehen Risse, Abplatzungen und eine ungleichmäßige Oberfläche. Außerdem kann die Farbe deutlich länger zum Trocknen benötigen und ihre charakteristischen Eigenschaften, etwa die Feuchtigkeitsregulierung, verlieren.

Die Probleme entstehen durch die physikalischen Eigenschaften des Lehms während des Trocknungsprozesses. Ist die Schicht zu dick, schrumpft das Material ungleichmäßig, was zu Spannungen in der Oberfläche führt. Diese Spannungen äußern sich in Form feiner Haarrisse bis hin zu größeren Abplatzungen. Zusätzlich kann eine zu dicke Schicht die natürliche Atmungsaktivität der Lehmfarbe beeinträchtigen, wodurch die gewünschte Feuchtigkeitsregulierung im Raum nicht optimal funktioniert.

Ein weiteres Problem ist die verlängerte Trocknungszeit. Während eine normal aufgetragene Lehmfarbe innerhalb weniger Stunden oberflächlich trocknet, kann eine zu dicke Schicht mehrere Tage benötigen. Das erhöht nicht nur die Bauzeit, sondern auch das Risiko für Schimmelbildung, besonders in feuchten Räumen oder bei ungünstigen Witterungsbedingungen.

Welche Schichtdicke ist bei Lehmfarben optimal?

Die optimale Schichtdicke bei Lehmfarben liegt zwischen 0,5 und 1,5 Millimetern pro Anstrich. Dieser dünne Auftrag gewährleistet eine gleichmäßige Trocknung und verhindert Rissbildung bei optimaler Deckkraft.

Diese geringe Schichtdicke mag zunächst überraschend erscheinen, ist aber entscheidend für die Qualität des Endergebnisses. Lehmfarben sind so konzipiert, dass sie in mehreren dünnen Schichten aufgetragen werden, statt in einem einzigen dicken Auftrag. Der erste Anstrich dient als Grundierung und sollte besonders dünn aufgetragen werden, um eine gute Haftung am Untergrund zu gewährleisten.

Bei Bedarf können Sie einen zweiten oder sogar dritten Anstrich auftragen, wobei jede Schicht vollständig getrocknet sein sollte, bevor die nächste aufgetragen wird. Diese Methode führt zu einer gleichmäßigeren Farbverteilung und einer stabileren Oberfläche. Die Trocknungszeit zwischen den Anstrichen beträgt in der Regel 4 bis 8 Stunden, abhängig von Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit.

Wie erkennt man zu dick aufgetragene Lehmfarbe?

Zu dick aufgetragene Lehmfarbe erkennen Sie an sichtbaren Rissen, ungleichmäßiger Farbverteilung, verlängerter Trocknungszeit und möglichen Abplatzungen. Auch eine körnige oder unebene Oberfläche deutet auf eine zu dicke Schicht hin.

Die ersten Anzeichen zeigen sich bereits während des Trocknungsprozesses. Feine Haarrisse entstehen oft schon in den ersten Stunden nach dem Auftrag und werden mit fortschreitender Trocknung deutlicher sichtbar. Diese Risse verlaufen meist unregelmäßig über die Oberfläche und können sich zu einem netzartigen Muster entwickeln.

Ein weiteres deutliches Erkennungsmerkmal ist die ungleichmäßige Farbintensität. Während dünnere Bereiche bereits ihre endgültige Farbe zeigen, erscheinen dickere Stellen oft dunkler oder fleckig. Zusätzlich fühlt sich zu dick aufgetragene Lehmfarbe häufig rau oder körnig an, während eine korrekt aufgetragene Schicht eine glatte, samtige Oberfläche aufweist.

In extremen Fällen können Sie sogar beobachten, wie sich Teile der Farbe von der Wand lösen oder abblättern. Das geschieht besonders häufig an Ecken und Kanten, wo die Materialspannung am größten ist.

Wie kann man zu dick aufgetragene Lehmfarbe reparieren?

Zu dick aufgetragene Lehmfarbe lässt sich durch Anfeuchten und vorsichtiges Abtragen der überschüssigen Schicht reparieren. Bei bereits getrockneter Farbe hilft das Abschleifen mit feinem Schleifpapier oder das vollständige Entfernen und ein Neuauftrag.

Wenn Sie den Fehler rechtzeitig bemerken und die Farbe noch feucht ist, können Sie mit einem feuchten Schwamm oder einer weichen Bürste vorsichtig Material abtragen. Arbeiten Sie dabei in kreisenden Bewegungen und achten Sie darauf, nicht zu viel Wasser zu verwenden, da dies die darunterliegende Schicht beschädigen könnte. Nach dem Abtragen lassen Sie die Oberfläche vollständig trocknen, bevor Sie eine neue, dünnere Schicht auftragen.

Bei bereits getrockneter Lehmfarbe ist die Reparatur aufwendiger. Verwenden Sie feines Schleifpapier (Körnung 220 oder höher), um die überschüssige Schicht vorsichtig abzutragen. Schleifen Sie gleichmäßig und vermeiden Sie zu starken Druck, um den Untergrund nicht zu beschädigen. Nach dem Schleifen entfernen Sie den Staub gründlich mit einem trockenen Tuch oder einem Staubsauger.

In schweren Fällen mit starker Rissbildung oder Abplatzungen ist es oft sinnvoller, die gesamte Schicht zu entfernen. Feuchten Sie die Oberfläche an und kratzen Sie die Farbe vorsichtig mit einem Spachtel ab. Anschließend reinigen Sie den Untergrund und beginnen mit einem neuen, dünneren Auftrag.

Wie Leipfinger-Bader bei Lehmfarbenanwendungen unterstützt

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