Welche Untergründe sind für Lehmfarben ungeeignet?

Sabrina Gerstmayr ·
Holzpinsel mit erdiger Tonfarbe auf rissiger Betonwand, Farbe perlt ab und haftet nicht auf ungeeignetem Untergrund

Lehmfarben erfreuen sich wachsender Beliebtheit als natürliche und nachhaltige Alternative zu herkömmlichen Wandfarben. Sie schaffen ein gesundes Raumklima, regulieren die Luftfeuchtigkeit und überzeugen durch ihre warme, natürliche Ausstrahlung. Doch nicht jeder Untergrund eignet sich für den Auftrag von Lehmfarben.

Die Wahl des richtigen Untergrunds ist entscheidend für ein langlebiges und optisch ansprechendes Ergebnis. Bestimmte Oberflächen können die Haftung beeinträchtigen oder zu unerwünschten Reaktionen führen. In diesem Artikel erfahren Sie, welche Untergründe Sie bei der Verwendung von Lehmfarben meiden sollten und wie Sie problematische Oberflächen erkennen können.

Warum haften Lehmfarben nicht auf allen Untergründen?

Lehmfarben haften nicht auf allen Untergründen, weil sie als mineralische Farben eine poröse, saugfähige Oberfläche benötigen, um mechanisch und physikalisch zu binden. Im Gegensatz zu synthetischen Farben bilden Lehmfarben keinen geschlossenen Film, sondern verbinden sich durch Kristallisation und Verzahnung mit dem Untergrund.

Die Haftung von Lehmfarben basiert auf drei wesentlichen Mechanismen: der Saugfähigkeit des Untergrunds, der mineralischen Bindung zwischen ähnlichen Materialien und der mechanischen Verzahnung in den Poren der Oberfläche. Glatte, nicht saugfähige oder mit synthetischen Beschichtungen versehene Oberflächen verhindern diese natürlichen Bindungsprozesse. Zusätzlich können bestimmte Untergründe chemische Reaktionen auslösen, die die Stabilität der Lehmfarbe beeinträchtigen. Bei modernen Lehmbausystemen wird dieser Aspekt bereits in der Planungsphase berücksichtigt.

Welche Untergründe sind für Lehmfarben grundsätzlich ungeeignet?

Für Lehmfarben grundsätzlich ungeeignet sind alle nicht saugfähigen, glatten oder synthetisch beschichteten Oberflächen sowie Untergründe mit aktiven chemischen Prozessen. Dazu gehören Kunststoffoberflächen, Metalle, Glas, Fliesen sowie alle mit Dispersionsfarben oder Lacken behandelten Flächen.

Konkret sollten Sie Lehmfarben nicht auf folgenden Untergründen verwenden:

  • Dispersions- und Latexfarben sowie alle kunststoffhaltigen Anstriche
  • Lackierte Oberflächen, Holzlasuren und versiegelte Hölzer
  • Fliesen, Keramik und glasierte Oberflächen
  • Metalle wie Stahl, Aluminium oder verzinkte Flächen
  • Kunststoffpaneele, PVC-Beschichtungen und Laminatoberflächen
  • Tapeten mit Kunststoffbeschichtung oder Vinyltapeten
  • Feuchte oder salzbelastete Untergründe

Diese Materialien verhindern die notwendige Durchfeuchtung und Bindung der Lehmfarbe oder können chemische Reaktionen verursachen, die zu Verfärbungen oder Ablösungen führen.

Wie erkenne ich, ob mein Untergrund für Lehmfarben geeignet ist?

Sie erkennen einen für Lehmfarben geeigneten Untergrund durch einen einfachen Saugfähigkeitstest: Sprühen Sie Wasser auf die Oberfläche. Zieht das Wasser innerhalb weniger Minuten ein, ist der Untergrund grundsätzlich geeignet. Perlt das Wasser ab oder bleibt es längere Zeit auf der Oberfläche stehen, ist der Untergrund ungeeignet.

Zusätzliche Prüfmethoden helfen bei der Beurteilung der Untergrundqualität. Führen Sie einen Kratztest durch, indem Sie mit einem Spachtel oder Messer vorsichtig über die Oberfläche kratzen. Lösen sich Farbpartikel oder Beschichtungen, deutet dies auf eine instabile Oberfläche hin. Prüfen Sie auch die Festigkeit durch leichtes Klopfen – hohle Geräusche weisen auf lose Putzschichten hin.

Achten Sie besonders auf Verfärbungen, Salzausblühungen oder Feuchtigkeitsflecken, die auf bauphysikalische Probleme hindeuten. Diese müssen vor dem Auftrag von Lehmfarben behoben werden. Bei Unsicherheit sollten Sie immer eine kleine Probefläche anlegen und das Ergebnis nach dem Trocknen beurteilen.

Was passiert, wenn Lehmfarbe auf einen ungeeigneten Untergrund aufgetragen wird?

Wird Lehmfarbe auf einen ungeeigneten Untergrund aufgetragen, kommt es zu mangelnder Haftung, ungleichmäßiger Trocknung und Ablösungen. Die Farbe kann abblättern, Risse bilden oder fleckig werden. In schweren Fällen löst sich die gesamte Farbschicht vom Untergrund ab.

Die Folgeschäden variieren je nach Art des ungeeigneten Untergrunds. Auf synthetischen Oberflächen trocknet die Lehmfarbe oft ungleichmäßig und bildet eine instabile Schicht, die bereits bei geringer mechanischer Belastung abplatzt. Bei metallischen Untergründen können Korrosionsreaktionen auftreten, die zu Verfärbungen und Rostflecken führen.

Besonders problematisch ist der Auftrag auf feuchte oder salzbelastete Untergründe. Hier können Salzausblühungen die Lehmfarbe durchdringen und unschöne weiße Flecken verursachen. Feuchtigkeit verhindert zudem die ordnungsgemäße Trocknung und kann zu Schimmelbildung unter der Farbschicht führen. Diese Schäden erfordern meist eine vollständige Entfernung der Lehmfarbe und eine aufwendige Untergrundvorbereitung.

Wie kann ich ungeeignete Untergründe für Lehmfarben vorbereiten?

Ungeeignete Untergründe können durch das Entfernen alter Beschichtungen, das Aufrauen der Oberfläche und den Auftrag geeigneter Grundierungen für Lehmfarben vorbereitet werden. Bei synthetischen Beschichtungen ist oft eine vollständige Entfernung und Neugestaltung des Untergrunds notwendig.

Die Vorbereitung erfolgt in mehreren Schritten, abhängig vom vorhandenen Untergrund. Bei Dispersionsfarben müssen Sie die alte Beschichtung vollständig abschleifen oder abbeizen. Anschließend reinigen Sie die Oberfläche gründlich und tragen eine mineralische Grundierung auf. Lackierte Oberflächen erfordern ein Anschleifen zur Verbesserung der Haftung, gefolgt von einer Haftgrundierung.

Für glatte Untergründe wie Beton oder Gipskarton empfiehlt sich das Aufbringen eines mineralischen Grundanstrichs oder einer Quarzgrundierung. Diese schaffen die notwendige Rauheit und Saugfähigkeit. Bei problematischen Untergründen kann auch das Aufbringen einer dünnen Lehmputzschicht als Haftbrücke sinnvoll sein. Wichtig ist in jedem Fall eine gründliche Reinigung und das vollständige Abtrocknen vor dem ersten Arbeitsschritt. Praxiserprobte Lösungen finden Sie in unseren Referenzen.

Wie Leipfinger-Bader bei der optimalen Untergrundvorbereitung hilft

Als erfahrener Hersteller nachhaltiger Baumaterialien unterstützen wir Sie bei der fachgerechten Anwendung von Lehmfarben und der optimalen Untergrundvorbereitung. Unser Beratungsservice hilft Ihnen dabei, problematische Untergründe zu identifizieren und die passende Vorbereitungsstrategie zu entwickeln.

Unsere Leistungen für Sie im Überblick:

  • Fachberatung zur Untergrundprüfung und Eignung für Lehmfarben
  • Empfehlungen für geeignete Grundierungen und Vorbereitungsprodukte
  • Technische Unterstützung bei komplexen Untergrundproblemen
  • Schulungen für Handwerker und Planer zur fachgerechten Anwendung
  • Qualitätskontrolle und Nachbetreuung bei Projekten

Kontaktieren Sie unsere Bauberatungsabteilung für eine individuelle Beratung zu Ihrem Projekt. Unsere Experten stehen Ihnen mit über 150 Jahren Erfahrung im nachhaltigen Bauen zur Seite und sorgen dafür, dass Ihre Lehmfarben optimal haften und langfristig überzeugen.