Sind Lehmziegel besser als normale Ziegel?

Sabrina Gerstmayr ·
Verwitterte Hand hält rohen Tonziegel neben gebranntem roten Backstein auf rustikaler Holzwerkbank im warmen Sonnenlicht

Lehmziegel erleben in der modernen Bauindustrie eine bemerkenswerte Renaissance. Während herkömmliche gebrannte Ziegel seit Jahrhunderten als Standard gelten, stellen sich immer mehr Bauherren und Architekten die Frage nach nachhaltigen Alternativen. Die Entscheidung zwischen Lehmziegeln und herkömmlichen Ziegeln beeinflusst nicht nur die Baukosten, sondern auch das Raumklima, die Umweltbilanz und die langfristige Wertentwicklung eines Gebäudes.

In diesem Artikel beleuchten wir die wichtigsten Unterschiede zwischen beiden Ziegelarten und helfen Ihnen dabei, die richtige Entscheidung für Ihr Bauprojekt zu treffen. Dabei betrachten wir sowohl technische Eigenschaften als auch praktische Aspekte wie Stabilität und Wirtschaftlichkeit.

Was sind Lehmziegel und wie unterscheiden sie sich von normalen Ziegeln?

Lehmziegel bestehen aus natürlichem Lehm, der lediglich getrocknet wird, während herkömmliche Ziegel aus Ton bei hohen Temperaturen von über 1.000 Grad Celsius gebrannt werden. Dieser grundlegende Unterschied im Herstellungsverfahren prägt alle weiteren Eigenschaften der beiden Baustoffe.

Der Herstellungsprozess von Lehmziegeln ist deutlich energieeffizienter, da keine hohen Brenntemperaturen erforderlich sind. Herkömmliche Ziegel durchlaufen hingegen einen energieintensiven Brennvorgang, der ihre charakteristische Härte und Wasserbeständigkeit erzeugt. Lehmziegel punkten dafür mit ihrer natürlichen Zusammensetzung aus Sand, Schluff, Ton und organischen Bestandteilen.

Ein weiterer wesentlicher Unterschied liegt in der Rückbaubarkeit: Lehmziegel können vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden, während gebrannte Ziegel als Bauschutt entsorgt werden müssen. Diese Eigenschaft macht Lehmziegel zu einem wichtigen Baustein der Kreislaufwirtschaft im Bauwesen.

Welche Vorteile bieten Lehmziegel gegenüber herkömmlichen Ziegeln?

Lehmziegel bieten herausragende klimaregulierende Eigenschaften, eine deutlich bessere CO2-Bilanz und schaffen durch ihre feuchtigkeitsregulierenden Eigenschaften ein natürlich gesundes Raumklima. Diese Vorteile machen sie zu einer attraktiven Alternative für nachhaltiges Bauen.

Die klimaregulierenden Eigenschaften von Lehmziegeln sind besonders bemerkenswert. Sie können Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben, wodurch ein ausgeglichenes Raumklima entsteht. Diese natürliche Feuchtigkeitsregulierung trägt wesentlich zum Wohnkomfort bei und kann sogar die Heizkosten reduzieren.

Aus ökologischer Sicht überzeugen Lehmziegel durch ihre klimaneutrale Herstellung. Da sie nicht gebrannt werden müssen, entfällt der energieintensive Brennprozess, der bei herkömmlichen Ziegeln für einen erheblichen CO2-Ausstoß sorgt. Zusätzlich binden Lehmziegel während ihrer Nutzung sogar CO2 aus der Atmosphäre.

Ein weiterer Vorteil liegt in der Schadstofffreiheit: Lehmziegel enthalten keine chemischen Zusätze oder Bindemittel und tragen somit zu einem gesunden Wohnklima bei. Sie sind besonders für Allergiker und chemikaliensensible Personen geeignet.

Sind Lehmziegel genauso stabil wie normale Ziegel?

Moderne Lehmziegel erreichen durch optimierte Herstellungsverfahren und Verdichtungstechniken eine Druckfestigkeit, die für die meisten Bauanwendungen ausreichend ist, jedoch nicht die Festigkeitswerte gebrannter Ziegel erreicht. Ihre Stabilität hängt stark von der fachgerechten Verarbeitung und dem Schutz vor direkter Feuchtigkeit ab.

Die Druckfestigkeit von Lehmziegeln liegt typischerweise zwischen 2 und 8 N/mm², während gebrannte Ziegel Werte von 10 bis 60 N/mm² erreichen können. Für tragende Wände in Ein- und Zweifamilienhäusern sind moderne Lehmziegel jedoch durchaus geeignet, insbesondere wenn sie als Teil eines durchdachten Lehmbausystems eingesetzt werden.

Entscheidend für die Langlebigkeit von Lehmziegeln ist der konstruktive Feuchteschutz. Mit einem guten Fundament, ausreichendem Dachüberstand und fachgerechter Ausführung können Lehmbauten jahrhundertelang halten, wie historische Beispiele weltweit beweisen. Die Stabilität hängt also weniger vom Material selbst als von der sachgemäßen Planung und Ausführung ab.

Was kosten Lehmziegel im Vergleich zu herkömmlichen Ziegeln?

Lehmziegel weisen in der Anschaffung oft höhere Materialkosten auf als herkömmliche Ziegel, bieten jedoch durch ihre energieeffizienten Eigenschaften und geringen Wartungsanforderungen langfristige Kostenvorteile, wenn man die Lebenszykluskosten insgesamt betrachtet.

Bei der Wirtschaftlichkeitsbetrachtung sollten Sie nicht nur die reinen Materialkosten betrachten, sondern die gesamten Lebenszykluskosten einbeziehen. Lehmziegel können durch ihre hervorragenden Dämmeigenschaften zu reduzierten Heizkosten beitragen und benötigen aufgrund ihrer natürlichen Eigenschaften weniger Wartung und Instandhaltung.

Ein wichtiger Kostenfaktor ist auch die Verfügbarkeit qualifizierter Handwerker. Während die Verarbeitung von Lehmziegeln spezielle Kenntnisse erfordert, wächst das Angebot an entsprechend ausgebildeten Fachkräften stetig. Die Investition in nachhaltige Baustoffe kann sich zudem positiv auf den Immobilienwert auswirken, da umweltfreundliche Gebäude am Markt zunehmend geschätzt werden.

Wann sollte man Lehmziegel statt normaler Ziegel verwenden?

Lehmziegel eignen sich besonders für Bauherren, die Wert auf nachhaltiges Bauen, ein gesundes Raumklima und eine ökologische Bauweise legen, sowie für Projekte mit besonderen Anforderungen an die Feuchtigkeitsregulierung und CO2-Neutralität. Sie sind ideal für Niedrigenergie- und Passivhäuser.

Besonders empfehlenswert sind Lehmziegel bei Neubauten, die nach nachhaltigen Baustandards wie dem QNG-Siegel zertifiziert werden sollen. Hier können die klimaneutralen Eigenschaften von Lehmziegeln entscheidend zur Erfüllung der Nachhaltigkeitskriterien beitragen.

Auch bei Sanierungsprojekten historischer Gebäude sind Lehmziegel oft die bessere Wahl, da sie sich optimal in bestehende Lehmbaukonstruktionen integrieren lassen. In Gebieten mit hoher Luftfeuchtigkeit oder bei Gebäuden mit besonderen Anforderungen an das Raumklima, wie Kindergärten oder Gesundheitseinrichtungen, spielen Lehmziegel ihre Stärken voll aus. Inspirierende Beispiele für solche Anwendungen finden Sie in unseren Referenzprojekten.

Weniger geeignet sind Lehmziegel hingegen für Bereiche mit direkter Wasserbelastung oder in sehr feuchten Klimazonen ohne ausreichenden konstruktiven Schutz. Hier bleiben gebrannte Ziegel die bessere Alternative.

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