Wie nennt man luftgetrocknete Lehmziegel?

Sabrina Gerstmayr ·
Handgefertigte Lehmziegel trocknen auf Holzplanken im warmen Sonnenlicht, zeigen natürliche Texturen in erdigen Brauntönen

Luftgetrocknete Lehmziegel gehören zu den ältesten Baumaterialien der Menschheit und erfreuen sich heute im nachhaltigen Bauwesen wieder wachsender Beliebtheit. Diese traditionellen Baustoffe werden ohne Brennvorgang hergestellt und bieten einzigartige ökologische Vorteile für moderne Bauprojekte.

Die richtige Bezeichnung und die Eigenschaften luftgetrockneter Lehmziegel sind für Bauherren, Architekten und Handwerker von großer Bedeutung, wenn sie nachhaltige Baulösungen suchen. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über diese umweltfreundlichen Baustoffe.

Was sind luftgetrocknete Lehmziegel und wie werden sie genannt?

Luftgetrocknete Lehmziegel werden als Adobeziegel oder Grünziegel bezeichnet. Der Begriff „Adobe“ stammt aus dem Arabischen und bedeutet „geformter Lehm“. Diese Ziegel bestehen aus einer Mischung aus Lehm, Sand, Wasser und häufig organischen Zusätzen wie Stroh oder anderen Pflanzenfasern.

Im deutschsprachigen Raum werden sie auch als ungebrannte Lehmziegel oder Luftziegel bezeichnet. Der Begriff „Grünziegel“ bezieht sich auf ihren Zustand vor der vollständigen Trocknung, wenn sie noch feucht und formbar sind. Diese traditionelle Bauweise wird seit Jahrtausenden in verschiedenen Kulturen weltweit eingesetzt und gilt als eine der nachhaltigsten Baumethoden überhaupt.

Wie werden luftgetrocknete Lehmziegel hergestellt?

Die Herstellung luftgetrockneter Lehmziegel erfolgt durch das Mischen von Lehm, Sand und Wasser zu einer formbaren Masse, die in Holzformen gepresst und anschließend an der Luft getrocknet wird. Dieser Prozess dauert je nach Witterung zwischen zwei und vier Wochen.

Der Herstellungsprozess gliedert sich in mehrere Schritte. Zunächst wird Lehm mit einer geeigneten Korngrößenverteilung ausgewählt und im richtigen Verhältnis mit Sand gemischt. Anschließend wird Wasser zugegeben, bis eine plastische Masse entsteht. Häufig werden organische Fasern wie Stroh, Kokosfasern oder andere Pflanzenmaterialien beigemischt, um die Zugfestigkeit zu erhöhen und Rissbildung zu verhindern.

Die fertige Masse wird in Holzformen gepresst oder gestampft, um die gewünschte Ziegelform zu erhalten. Nach dem Entformen werden die Rohlinge auf ebenen Flächen ausgelegt und regelmäßig gewendet, damit sie gleichmäßig trocknen. Während der Trocknungsphase ist es wichtig, die Ziegel vor direkter Sonneneinstrahlung und Regen zu schützen, um eine gleichmäßige Trocknung zu gewährleisten.

Welche Eigenschaften haben luftgetrocknete Lehmziegel?

Luftgetrocknete Lehmziegel zeichnen sich durch hervorragende klimaregulierende Eigenschaften, eine hohe Wärmespeicherfähigkeit und eine natürliche Feuchtigkeitsregulierung aus. Sie schaffen ein gesundes Raumklima und sind vollständig recycelbar.

Zu den wichtigsten Eigenschaften zählt die ausgezeichnete Wärmespeicherung, die für konstante Innentemperaturen sorgt. Die Ziegel können Feuchtigkeit aus der Raumluft aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben, was zu einem ausgeglichenen Raumklima beiträgt. Ihre natürliche Zusammensetzung macht sie frei von schädlichen Ausdünstungen und besonders geeignet für Allergiker.

Darüber hinaus bieten luftgetrocknete Lehmziegel gute Schallschutzeigenschaften und sind brandbeständig. Ihre niedrige Wärmeleitfähigkeit trägt zur Energieeffizienz von Gebäuden bei. Ein weiterer Vorteil ist ihre einfache Bearbeitung: Sie lassen sich sägen, bohren und schleifen, ohne dass spezielle Werkzeuge erforderlich sind.

Was ist der Unterschied zwischen luftgetrockneten und gebrannten Lehmziegeln?

Der Hauptunterschied liegt im Herstellungsverfahren: Luftgetrocknete Lehmziegel werden ausschließlich an der Luft getrocknet, während gebrannte Ziegel in Öfen bei Temperaturen von über 900 °C gehärtet werden. Dies führt zu unterschiedlichen Eigenschaften in Bezug auf Festigkeit, Wasserbeständigkeit und Umweltauswirkungen.

Gebrannte Ziegel sind härter und wasserbeständiger, benötigen aber in der Herstellung deutlich mehr Energie. Der Brennvorgang verändert die mineralische Struktur des Tons irreversibel und macht die Ziegel dauerhafter, aber auch weniger dampfdurchlässig. Luftgetrocknete Ziegel behalten ihre natürlichen Eigenschaften bei und können theoretisch wieder zu Lehm verarbeitet werden.

In puncto Nachhaltigkeit haben luftgetrocknete Ziegel einen klaren Vorteil: Sie benötigen in der Herstellung bis zu 90 % weniger Energie und verursachen deutlich weniger CO₂-Emissionen. Allerdings sind sie weniger witterungsbeständig und eignen sich hauptsächlich für den Innenausbau oder müssen im Außenbereich entsprechend geschützt werden.

Wo werden luftgetrocknete Lehmziegel heute noch verwendet?

Luftgetrocknete Lehmziegel finden heute vor allem im ökologischen Bauen, bei der Restaurierung historischer Gebäude und im Innenausbau Verwendung. Sie werden bevorzugt für nicht tragende Innenwände, Trennwände und als ökologische Alternative zu konventionellen Baustoffen eingesetzt.

Moderne Anwendungsgebiete umfassen den Bau von Passiv- und Niedrigenergiehäusern, wo ihre klimaregulierenden Eigenschaften besonders geschätzt werden. In der Denkmalpflege sind sie unverzichtbar für die authentische Restaurierung alter Fachwerkgebäude und historischer Bausubstanz. Auch im gewerblichen Bereich werden sie zunehmend für Bürogebäude und öffentliche Einrichtungen verwendet, um ein gesundes Arbeitsklima zu schaffen. Zahlreiche erfolgreiche Projekte zeigen die Vielseitigkeit dieser Baustoffe in unseren Referenzen.

In Entwicklungsländern spielen luftgetrocknete Lehmziegel nach wie vor eine wichtige Rolle im kostengünstigen Wohnungsbau. Dort werden sie aufgrund der lokalen Verfügbarkeit der Rohstoffe und der einfachen Herstellung ohne komplexe Technologie geschätzt.

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