Lehmputz erfreut sich als natürlicher und nachhaltiger Baustoff wachsender Beliebtheit. Viele Bauherren und Heimwerker stellen sich die Frage, ob sie diesen traditionellen Wandputz selbst anmischen und verarbeiten können. Die gute Nachricht: Mit dem richtigen Wissen und etwas handwerklichem Geschick ist das durchaus möglich.
Das Selbermachen von Lehmputz bietet nicht nur Kosteneinsparungen, sondern auch die Möglichkeit, die Mischung individuell an die jeweiligen Bedürfnisse anzupassen. In diesem Artikel erfahren Sie alles Wichtige über die eigenständige Herstellung und Verarbeitung von Lehmputz.
Was ist Lehmputz und warum sollte man ihn verwenden?
Lehmputz ist ein natürlicher Wandputz aus Lehm, Sand und Wasser, der seit Jahrtausenden im Bauwesen verwendet wird. Er reguliert die Luftfeuchtigkeit, ist schadstofffrei und vollständig recycelbar.
Die Vorteile von Lehmputz sind vielfältig: Er schafft ein gesundes Raumklima durch seine feuchtigkeitsregulierende Wirkung und kann bis zu zehnmal mehr Feuchtigkeit aufnehmen als herkömmliche Gipsputze. Zudem ist Lehmputz antistatisch, wodurch er weniger Staub anzieht. Seine natürliche Zusammensetzung macht ihn besonders für Allergiker geeignet, da er keine chemischen Zusätze enthält.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Nachhaltigkeit: Lehmputz ist ein regionaler Baustoff mit geringem Energieaufwand in der Herstellung. Er kann problemlos wiederverwendet werden und belastet die Umwelt nicht mit Schadstoffen. Die warmen, erdigen Farbtöne schaffen zudem eine besonders wohnliche Atmosphäre.
Welche Materialien braucht man für selbst angemischten Lehmputz?
Für selbst angemischten Lehmputz benötigen Sie Lehm, Sand in verschiedenen Körnungen, Wasser und optional Fasern zur Armierung. Die Grundmischung besteht aus etwa 10–20 % Lehm, 80–90 % Sand und der entsprechenden Wassermenge.
Der Lehm sollte einen Tonanteil von mindestens 12–15 % aufweisen, um ausreichende Bindekraft zu entwickeln. Sand verwenden Sie in verschiedenen Körnungen: Feinsand (0–0,5 mm) für die Grundmischung und gröberen Sand (bis 2 mm) für mehr Struktur. Das Mischungsverhältnis hängt von der gewünschten Putzart ab.
Als zusätzliche Materialien können Sie Pflanzenfasern wie gehäckseltes Stroh, Kokosfasern oder Tierhaar zur Armierung hinzufügen. Diese verhindern Rissbildung beim Trocknen. Für besondere Eigenschaften lassen sich auch natürliche Zusätze wie Kalkhydrat zur Erhöhung der Festigkeit oder Kasein zur Verbesserung der Bindung beimischen. Wichtig ist sauberes, kalkfreies Wasser für eine optimale Verarbeitung.
Wie mischt man Lehmputz richtig an?
Lehmputz wird richtig angemischt, indem Sie zunächst die trockenen Bestandteile gründlich vermengen und dann schrittweise Wasser hinzufügen, bis eine geschmeidige, gut formbare Konsistenz entsteht.
Beginnen Sie mit der Prüfung Ihres Lehms: Formen Sie eine kleine Menge zu einer Kugel und lassen Sie diese trocknen. Reißt sie stark auf, ist der Tonanteil zu hoch, und Sie müssen mehr Sand beimischen. Zerfällt sie, fehlt Bindemittel.
Für die eigentliche Mischung gehen Sie folgendermaßen vor:
- Mischen Sie die trockenen Bestandteile in einem großen Behälter oder auf einer sauberen Plane.
- Bilden Sie eine Mulde in der Mitte der Trockenmischung.
- Geben Sie langsam Wasser hinzu und vermengen Sie alles mit einer Hacke oder den Händen.
- Kneten Sie die Masse gründlich durch, bis eine homogene Konsistenz erreicht ist.
Die richtige Konsistenz erkennen Sie daran, dass der Putz gut an der Kelle haftet, aber nicht tropft. Lassen Sie die fertige Mischung etwa 30 Minuten quellen, bevor Sie mit der Verarbeitung beginnen.
Wie trägt man Lehmputz fachgerecht auf?
Lehmputz wird fachgerecht in mehreren dünnen Schichten aufgetragen: zuerst eine Grundierung, dann der Grundputz und abschließend der Feinputz. Jede Schicht sollte gut angefeuchtet und gleichmäßig verteilt werden.
Vor dem Auftrag muss der Untergrund vorbereitet werden: Entfernen Sie alte Tapetenreste und reinigen Sie die Wand gründlich. Saugende Untergründe wie Ziegel oder Kalksandstein müssen vorgenässt werden, damit sie dem Putz nicht zu schnell Wasser entziehen.
Die Verarbeitung erfolgt in drei Schritten:
Grundierung auftragen
Tragen Sie eine dünne Schicht verdünnten Lehmputzes als Grundierung auf. Diese verbessert die Haftung und gleicht die Saugfähigkeit des Untergrunds aus.
Grundputz verarbeiten
Der Grundputz wird etwa 10–15 mm dick aufgetragen und mit der Kelle gleichmäßig verteilt. Arbeiten Sie zügig und halten Sie die Oberfläche feucht, um Risse zu vermeiden.
Feinputz auftragen
Nach dem Antrocknen des Grundputzes folgt der Feinputz in 2–3 mm Dicke. Dieser wird geglättet und kann je nach gewünschter Oberflächenstruktur bearbeitet werden.
Wichtig ist eine gleichmäßige Trocknung: Vermeiden Sie Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung. Bei Bedarf können Sie die Oberfläche mit einem Zerstäuber feucht halten.
Welche häufigen Fehler sollte man beim Lehmputz vermeiden?
Die häufigsten Fehler beim Lehmputz sind falsche Mischungsverhältnisse, zu schnelle Trocknung und unzureichende Untergrundvorbereitung. Diese führen zu Rissen, schlechter Haftung und ungleichmäßigen Oberflächen.
Ein kritischer Fehler ist die Verwendung von zu viel Lehm in der Mischung. Dies führt zu starker Schwindung und Rissbildung beim Trocknen. Ebenso problematisch ist zu wenig Bindemittel, wodurch der Putz krümelig wird und nicht richtig haftet.
Weitere typische Probleme und ihre Vermeidung:
- Zu dicke Schichten: Tragen Sie Lehmputz nie dicker als 15 mm auf einmal auf.
- Ungleichmäßige Trocknung: Schützen Sie frischen Putz vor Zugluft und direkter Sonne.
- Schlechte Untergrundvorbereitung: Reinigen und befeuchten Sie den Untergrund immer vor.
- Falsche Konsistenz: Der Putz sollte gut formbar, aber nicht zu feucht sein.
- Mangelnde Nachbehandlung: Halten Sie die Oberfläche in den ersten Tagen leicht feucht.
Besonders bei der ersten Anwendung empfiehlt es sich, zunächst an einer kleinen, weniger sichtbaren Stelle zu üben. So können Sie die richtige Technik entwickeln und Ihre Mischung optimieren, bevor Sie größere Flächen bearbeiten. Inspirationen für gelungene Lehmputz-Projekte finden Sie in unseren Referenzen.
Wie Leipfinger-Bader beim Lehmputz hilft
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