Kann man Lehmfarben selbst anmischen?

Sabrina Gerstmayr ·
Hände mischen Terrakotta-Tonpulver mit Wasser in Keramikschale, Holzlöffel rührt erdige Paste auf Werkbank

Lehmfarben erfreuen sich als natürliche und umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Wandfarben immer größerer Beliebtheit. Viele Bauherren und Renovierer fragen sich, ob sie diese nachhaltigen Farben selbst anmischen können, um Kosten zu sparen und die Zusammensetzung individuell zu kontrollieren.

Die gute Nachricht ist: Ja, Sie können Lehmfarben durchaus selbst herstellen! Mit den richtigen Zutaten und etwas Know-how lassen sich hochwertige Lehmfarben in der eigenen Werkstatt oder sogar zu Hause anmischen. Dabei haben Sie die volle Kontrolle über Farbton, Konsistenz und Zusammensetzung.

Was ist Lehmfarbe, und warum sollte man sie selbst anmischen?

Lehmfarbe ist ein natürlicher Anstrich aus Lehm, Wasser und Bindemitteln, der ohne chemische Zusätze auskommt und ein gesundes Raumklima fördert. Das Selbstanmischen bietet Ihnen maximale Flexibilität bei Farbgestaltung und Konsistenz sowie die Gewissheit über alle verwendeten Inhaltsstoffe.

Die Vorteile des Selbstanmischens liegen auf der Hand: Sie bestimmen die exakte Farbintensität, können verschiedene Texturen ausprobieren und vermeiden unerwünschte Zusatzstoffe. Zudem ermöglicht es Ihnen, kleinere Mengen für Ausbesserungen oder Farbexperimente herzustellen, ohne größere Gebinde kaufen zu müssen.

Lehmfarben regulieren auf natürliche Weise die Luftfeuchtigkeit, sind diffusionsoffen und schaffen eine behagliche Wohnatmosphäre. Beim Selbstanmischen können Sie diese positiven Eigenschaften gezielt verstärken, indem Sie hochwertige Lehme und natürliche Zuschlagstoffe verwenden – ähnlich wie bei professionellen Lehmbausystemen.

Welche Zutaten braucht man für selbstgemischte Lehmfarbe?

Für selbstgemischte Lehmfarbe benötigen Sie als Grundzutaten feinen Lehm oder Ton, Wasser, ein Bindemittel wie Kleister oder Kasein sowie optional Pigmente für die Farbgebung. Diese einfachen Komponenten ergeben bereits eine funktionsfähige Lehmfarbe.

Der Lehm sollte möglichst fein gemahlen und frei von groben Verunreinigungen sein. Bewährt haben sich Lehme mit einem Tonanteil von 15–25 Prozent. Als Bindemittel eignen sich Tapetenkleister, Kasein, Johannisbrotkernmehl oder auch Quark. Diese sorgen für bessere Haftung und reduzieren das Abkreiden der getrockneten Farbe.

Zusätzliche Zuschlagstoffe wie feiner Sand können die Struktur verbessern, während natürliche Konservierungsmittel wie Borax die Haltbarkeit verlängern. Für besondere Effekte lassen sich auch Strohfasern, Glimmer oder andere natürliche Materialien einarbeiten.

Wie mischt man Lehmfarbe richtig an?

Lehmfarbe wird richtig angemischt, indem Sie zunächst den Lehm in Wasser einweichen, das Bindemittel separat anrühren und beide Komponenten langsam miteinander verrühren, bis eine homogene, streichfähige Konsistenz entsteht.

Beginnen Sie damit, den Lehm etwa 24 Stunden vor der Verwendung in Wasser einzuweichen. Das Verhältnis sollte etwa 1:3 bis 1:4 betragen. Parallel bereiten Sie das Bindemittel vor: Tapetenkleister nach Packungsanweisung oder Kasein in warmem Wasser auflösen.

Beim eigentlichen Mischvorgang sieben Sie den eingeweichten Lehm durch ein feines Sieb, um Klumpen zu entfernen. Fügen Sie das Bindemittel langsam unter ständigem Rühren hinzu. Die fertige Lehmfarbe sollte die Konsistenz von Joghurt haben und sich gleichmäßig streichen lassen. Bei Bedarf können Sie mit Wasser verdünnen oder mit trockenem Lehm andicken.

Welche Pigmente eignen sich für selbstgemischte Lehmfarben?

Für selbstgemischte Lehmfarben eignen sich am besten natürliche Erdpigmente wie Ocker, Umbra, Sienna und Eisenoxidpigmente, da diese alkalibeständig sind und harmonisch mit dem Lehm reagieren. Synthetische Pigmente können ebenfalls verwendet werden, sollten aber auf ihre Verträglichkeit getestet werden.

Erdpigmente bieten eine warme, natürliche Farbpalette von Gelb- und Rottönen bis hin zu Braun und gedämpften Grüntönen. Sie sind lichtecht, ungiftig und verstärken den natürlichen Charakter der Lehmfarbe. Besonders bewährt haben sich gelber und roter Ocker, gebrannte Umbra und Sienna.

Bei der Dosierung sollten Sie sparsam beginnen: Meist reichen 5–15 Prozent Pigmentanteil für kräftige Farbtöne aus. Mischen Sie das Pigment zunächst mit etwas Wasser an und geben Sie es dann zur Lehmfarbe. Testen Sie die Farbe immer an einer unauffälligen Stelle, da der Farbton beim Trocknen oft heller wird.

Wie lange ist selbstgemischte Lehmfarbe haltbar?

Selbstgemischte Lehmfarbe ist im angerührten Zustand bei kühler Lagerung etwa 2–3 Tage haltbar, kann aber durch die Zugabe natürlicher Konservierungsmittel auf bis zu eine Woche verlängert werden. Die trockenen Grundzutaten sind hingegen jahrelang lagerfähig.

Die begrenzte Haltbarkeit liegt daran, dass Lehmfarbe ohne chemische Konservierungsstoffe schnell zu gären oder zu schimmeln beginnt. Lagern Sie angerührte Farbe daher kühl und luftdicht verschlossen. Ein Kühlschrank ist ideal, aber auch ein kühler Keller funktioniert.

Um die Haltbarkeit zu verlängern, können Sie etwas Borax, Salz oder sogar einen Schuss hochprozentigen Alkohol hinzufügen. Diese natürlichen Konservierungsmittel hemmen Bakterien und Schimmelbildung. Rühren Sie die Farbe vor jeder Verwendung gut um, da sich die Bestandteile absetzen können.

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